Das ewige (gewollte) Ungleichgewicht

Ich erinnerte mich an die Anschuldigungen in Richtung des Onkels, die hohe Wissenschaft der Volkswirtschaften zu entehren mit seinen Zeichnungen für ‚Kinder‘, wie einer seiner Kollegen sie nach einer Vorlesung genannt hatte. An diesem Tag hatte er eine besonders einfache und klare Grafik für die Studenten gemalt, die seine Meinung zum Gleichgewicht wiedergab.

Wieder einmal hatte er final den Volkswohlstand durchgestrichen und behauptet, dass die Maximierung desselben unter nicht mehr gültigen Grundannahmen für dessen Berechnungsmodell wohl nicht gelingen könnte.

„Wir leben in Zeiten der Überproduktion.“, hatte er erklärt und dafür einen Topf für das Angebot ‚Y‘ gemalt, der den Topf, der für die Nachfrage ‚Z‘ stand, überragte.

„Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir sagen, dass unser Ziel die Erreichung eines Gleichgewichts ist, das zur Erhöhung des Volkswohlstandes führt. Immer mehr Angebot zu schaffen, das sich dann seine Nachfrage finden sollte, war eben sinnvoll zu Zeiten, wo wir wirklich nicht an Dinge gekommen sind, die wir gebraucht haben, schlicht weil es sie nicht gab. Damals, vor Hunderten von Jahren haben kluge Köpfe angebotsgetriebene Modelle erfunden, mit dem Ziel, alle mit allem zu versorgen. Die volkswirtschaftlichen Modelle hatten tatsächlich das Ziel, den Wohlstand zu maximieren. Das Angebot wird maximiert. Und zwar für alle!“, hatte er vor vollem Haus doziert.

Man könnte den allgemeinen Wohlstand in westlichen Gesellschaften des einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht maximieren, wenn man davon ausginge, dass ein Gleichgewicht am Markt dadurch entstünde, dass jedes Angebot sich seine Nachfrage schaffte.

„Das ist doch verrückt, oder?“, hatte er seinen Vortrag, wie sehr oft in etwas pathetischer Manier, mit einer offenen Frage geschlossen.

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